Home
Was ist Biofeedback?

Was ist Biofeedback?

Beim Biofeedback geht es darum, dass Personen die Fähigkeit erlangen ansonsten unbewusst ablaufende körperliche Prozesse willentlich zu kontrollieren. Im klinischen Bereich kann Biofeedback für Behandlungen von Krankheiten als auch zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit angewandt werden.

Patienten erlernen die Kontrolle über die angesprochenen körperlichen Funktionen indem ihnen spezielle Biofeedbackgeräte die physiologischen Signale (meist auditiv oder visuell) rückmelden. Dies kann zum Beispiel über einen normalen Computer-Bildschirm erfolgen. Frank et al. verwenden den passenden Vergleich, dass das Biofeedback genau wie ein Spiegel wirkt mit dem Patienten in ihre Körper sehen können. Ein ausgebildeter Therapeut hilft Ihnen anschließend dabei das Feedback für eine Entwicklung in Richtung Gesundheit zu nutzen.

Für viele Indikationen gibt es eine Vielzahl an wissenschaftlicher Evidenz für Biofeedback – darauf wird weiter unten noch genauer eingegangen.



Was wird gemessen?

EMG: Das Oberflächen-EMG ist laut Frank et al. wohl die meist gemessene Variable und wird z.B bei Spannungskopfschmerzen und chronischem Schmerz verwendet.

EEG: Das EEG-Biofeedback (auch Neurofeedback genannt) ist wird beispielsweise für die Behandlung von ADHS verwendet

Hautleitwert: Der Hautleitwert gibt Rückmeldung über die Schweißdrüsenaktivität der Haut, welche eng mit sympathischer Erregung korreliert. Entspannung führt daher meist zu einem Absinken des Hautleitwertes

Temperatur: Beim Temperaturtraining geht es darum zu erlernen die peripheren Extremitäten zu erwärmen. Um dies zu erreichen ist Entspannung notwendig. Diese Art des Feedbacks wird oft mit anderen Methoden kombiniert um allgemeine Entspannung zu erlernen

Herzratenvariabilität: Die HRV bezieht sich auf den Anstieg und Fall der Herzrate bei Ein- und Ausatmen. Eine zu geringe Variabilität ist hier ein Zeichen für schlechte kardiovaskuläre Gesundheit.

Atmung: Auch die Atmung selbst kann für ein Biofeedback-Training verwendet werden.

Normalerweise sind diese Werte nicht wahrnehmbar doch Biofeedback bietet über Echtzeitdaten die Möglichkeit für den Patienten diese Werte zu beeinflussen. Mit der Zeit kann schlussendlich die Fähigkeit erlangt werden, diese Beeinflussung ohne Geräte (im Alltag) anwenden zu können.

Zum Anfang

Biofeedback-TRAINING

Ein wesentlicher Punkt ist jener, dass Biofeedback keine „Behandlung“ in dem Sinne ist, dass man nur passiv daran teilnimmt, sondern ein Training das aktive Teilnahme und Übung erfordert. Frank et al. vergleichen es mit dem Erlernen des Fahrrad Fahrens oder einer neuen Sprache.

Mit Biofeedback kann den Patienten auch gezeigt werden, wie ihr Körper auf geistige Stimuli reagiert – vor allem auf jene welche stressbehaftet sind. Dies kann zum Beispiel mit einer Art Stress-Test geschehen, bei welchem sich die Phasen Entspannung-Stress-Entspannung abwechseln. Der Therapeut kann im Nachhinein dem Patienten auch genau erläutern, welche Bedeutung die Parameter und die Veränderung dieser für die Gesundheit des Patienten haben.

Biofeedback kann sowohl als eine alternative als auch als eine ergänzende Therapie angeboten werden. Frank et al. geben als Gründe beispielsweise an, dass die aktuelle Behandlung keine ausreichenden (oder gar keine) Ergebnisse zeigt oder, dass der Patient intolerant auf Medikamente reagiert.


Zum Anfang


Wirksamkeit

In einer Studie von Yucha und Montgomery aus 2008 wurde die Wirksamkeit von Biofeedback für einzelne Indikationen auf einer Skala für evidenzbasierte klinische Effektivität von psychophysiologischen Interventionen angegeben. Genauere Erläuterungen zu diesen Skalen finden Sie im Artikel von Frank et al. In diesem wird auch erwähnt, dass die Angabe einer geringen Effektivität nicht automatisch dafür steht, dass Biofeedback hierbei nicht wirksam ist, sondern eben nur dafür, dass relevante wissenschaftliche Arbeiten hier dazu noch nicht vorliegen.

Die Effektivitätslevel

Level 5: Wirksam und spezifisch

  • Harninkontinenz (Frauen)

Level 4: Wirksam

  • Angst
  • ADHS
  • Chronischer Schmerz
  • Verstopfung (Erwachsene)
  • Epilepsie
  • Kopfschmerz (Erwachsene)
  • Bluthochdruck
  • Reisekrankheit
  • Morbus Raynaud
  • Craniomandibuläre Dysfunktion

Level 3: Wahrscheinlich Wirksam

  • Alkohol/Substanzabhängigkeit
  • Arthritis
  • Diabetes mellitus
  • Stuhlinkontinenz
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Harninkontinenz (Männer)
  • Vulvar vestibulitis

Level 2: Möglicherweise Wirksam

  • Asthma
  • Autismus
  • Bell’sche Parese
  • Cerebral Parese
  • COPD
  • Koronare Herzkrankheit
  • Mukoviszidose
  • Depressive Erkrankungen
  • Erektile Dysfunktion
  • Fibromyalgie/Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Hand-Dystonie
  • Reizdarm-Syndrom
  • PTBS
  • Repetitive-Strain-Injury-Syndrom
  • Atemversagen: Gerätebeatmung
  • Schlaganfall
  • Tinnitus
  • Harninkontinenz (Kinder)

Level 1: Keine empirische Unterstützung

  • Essstörungen
  • Immunfunktion
  • Rückenmarksverletzungen
  • Synkope

Zum Anfang

Fazit

Abschließend berichten Frank et al. davon, dass das klinische Biofeedback-Training in den USA an Akzeptanz gewinnt. Während sich diese Daten auf die USA beziehen lässt sich für den deutschsprachigen Raums sagen, dass auch hier die Zufriedenheit mit dieser Methode gegeben ist. Bei 2 Befragungen dazu, welche bei Rief und Birbaumer (2010) zu finden sind, gaben jeweils um die 90% der befragen Patienten an, dass die Biofeedback-Behandlung für sie hilfreich oder sehr hilfreich gewesen sei.

Der vorliegende Artikel beruht in den Aussagen zu großen Teilen auf dem brillanten (jedoch englischen) Einstiegsartikel “Biofeedback in medicine: who, when, why and how?“ von Frank et. al (2010). Er soll einen Einstieg in die Biofeedback-Methodik geben.


Zum Anfang


Verwendete Literatur:

Frank, D. L., Khorshid, L., Kiffer, J. F., Moravec, C. S., & McKee, M. G. (2010). Biofeedback in medicine: who, when, why and how?. Mental health in family medicine, 7(2), 85.
Artikel hier abrufbar (PubMed)

Yucha, C., & Montgomery, D. (2008). Evidence-based practice in biofeedback and neurofeedback. Wheat Ridge, CO: AAPB.
Artikel hier abrufbar (Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback )

Rief W., Birbaumer, N. (2011). Biofeedback. Stuttgart: Schattauer